JAHRESKREISFEST OSTARA ZUR FRÜHLINGS-TAG-UND-NACHTGLEICHE AM 20.03.

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OSTARA

Feste und Rituale im Laufe des Jahres und im Rhythmus der saisonalen Veränderungen finden sich in den unterschiedlichsten Traditionen. Die zeitgenössischen Hexen und modernen Wicca orientieren sich meist an acht verschiedenen Festen, wobei dies durchaus unterschiedlich gehandhabt werden kann. Zu den acht Festen gehören die vier Feste, die als dem keltischen Kalender entnommen gelten: Imbolc am 02. Februar, Beltane am 30. April, Lughnasadh am 01. August und Samhain am 31. Oktober. Dazu kommen die beiden Tag- und Nachtgleichen Ostara am 21. März und Mabon am 21. September sowie die Sommer- und die Wintersonnenwende Litha am 21. Juni und Yule am 21. Dezember.

Zu allen Jahreskreisfesten gibt es bereits Beiträge, die mit den Links im ersten Absatz aufgerufen werden können. Darin gehen wir auf verschiedene historische Vorstellungen der jahreszeitlich geprägten Feste und weitere Traditionen ein. Wir verbinden diese mit den zeitgenössischen Feiern und Hintergründen zu deren moderner Entwicklung als Zyklus der Jahreskreisfeste. Ergänzend stellen wir Vorschläge der bekannten US-amerikanischen Hexe und Ökoaktivistin Starhawk vor. Die Reihe ist gekennzeichnet durch Ritualbilder, die thematisch auf Praktiken und jahreszeitliche Symboliken verweisen.

Weitere Beiträge kommen hinzu, und so beginnt ein neuer Zyklus. Bereits vorhanden im zweiten Zyklus, den wir bei ANDERS[nicht]ARTIG beschreiben: Mabon am 21. September, Samhain am 31. Oktober, Yule am 21.12 und Imbolc am 02. Februar.

In den neuen Beiträgen bringen wir neue spannende Aspekte ein und stellen z.B. Ritualvorschläge von Scott Cunningham vor, der Wicca auch für allein Praktizierende zugänglich machen wollte. Diesmal begleiten Bilder die Beiträge, die stärker auf die kulinarischen Köstlichkeiten der Jahreszeiten verweisen: Eine Referenz an die Sinnesfreuden, die den historischen Hexen nachgesagt werden und den zeitgenössischen gerade recht kommen. Und von Kräuterhexen haben wir alle schon mal gehört… Was kochen eigentlich die Hexen* in ihren Kesseln? Diesmal ganz besonders Kräuter!

FRÜHLINGSFESTE UND BERECHNUNGEN

Ostara fällt in die Zeit der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche zwischen dem 19.03. und 21.03. Die Tag- und Nachtgleiche ist auch der astronomische und kalendarische Frühlingsanfang, der in diesem Jahr 2022 auf den 20. März fällt. Die Tage werden länger und hoffentlich insgesamt lichter, auch wenn noch hier und da eine Eisschicht zu finden ist…

Der Frühlingsbeginn ist eine wichtige Zeit für zahlreiche Feste, alles blüht und wächst und es wird wärmer. Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens widmet dem Eintrag „Frühling“ immerhin acht Spalten. In Bezug auf die Tag- und Nachtgleiche hält es aber nur knapp fest, diese spiele „im Volksglauben“ keine Rolle, wohl aber in der älteren christlich-theologischen Literatur: Dort werde in einer Schrift über die Osterzeit aus dem 3. Jahrhundert die Weltschöpfung und das Erlösungswerk in eine zeitliche Verbindung gebracht – und man vermute, die Erschaffung der Welt müsse in einer Jahreszeit erfolgt sein, in der die Natur zu neuem Leben erwache. Da Gott Licht und Finsternis im Schöpfungsakt gleichmäßig geteilt habe, falle dieser auf die Tag- und Nachtgleiche, zum damaligen Zeitpunkt laut dem Julianischen Kalender der 25. März, so das Handwörterbuch.

Ausführlicher widmet es sich den Frühlingsfesten, die, so das Handwörterbuch, der Abwehr böser Mächte dienten und sich durch „Grundmotive“ auszeichnen würden: das Natur- oder Jahreszeitenmotiv, das Liebes- oder Fruchtbarkeitsmotiv, das Totenmotiv, das Auferstehungs- und Erlösungsmotiv. Die Annahme, es gäbe in den unterschiedlichsten Traditionen und Kontexten aufzufindende religiöse und rituelle „Grundmotive“, verdeutlicht einmal mehr die Arbeitsweise zu Zeiten des Handwörterbuchs, die aus heutiger Perspektive kritisch zu lesen ist.

Mit das wichtigste christliche Fest, das Osterfest, wurde im 4. Jahrhundert auf einen Zeitpunkt nach dem jüdischen Pessachfest festgelegt. Es orientiert sich am Frühlingsbeginn, wird nach dem Mondzyklus berechnet und fällt auf den ersten Vollmond nach Frühlingsanfang (der auf den 21. März festgelegt wurde) und damit auf ein späteres Datum als die Tag- und Nachtgleiche. Die begriffliche Assoziation des zeitgenössischen Namen Ostara mit Ostern beruht daher auch nicht auf einer historisch eindeutigen Verbindung von vor-christlichen mit christlichen Festtraditionen.

Dennoch gelten Traditionen wie das Dekorieren von Eiern als von nicht-christlichen Traditionen übernommen. Regnet es zu Ostara, wird dem in den zeitgenössischen Kontexten eine besondere Magie zugeschrieben, weshalb das Regenwasser auch gesammelt wird, um es zur rituellen Reinigung von Gegenständen wie Kristallen oder auch Personen zu verwenden.

Der britische Historiker Ronald Hutton befasst sich mit der Entstehung der heute bekannten Jahreskreisfeste im 20. Jahrhundert. Er zeigt auf, dass innerhalb der US-amerikanische Entwicklung von Wicca die Bezeichnungen Ostara und Mabon von Aidan Kelly im Laufe der 1970er eingeführt wurden. Die Bezeichnung Ostara beruhte dabei auf Jacob Grimms Überlegungen, die er 1835 in seinem Werk zur Deutschen Mythologie veröffentlichte. Er etablierte damit neben anderen Autoren die Umdeutung der historischen Hexen in ‚weise Frauen‘, was im vorherigen Beitrag zu Ostara noch genauer nachzulesen ist.

BLUMEN UND KRÄUTER ZU OSTARA

Scott Cunningham publizierte v.a. in den 1980ern und 90ern einflussreiche Bücher zu Wicca und Magie. Er lebte offen homosexuell und wollte Wicca auch für diejenigen öffnen, die nicht in einer Gruppe praktizieren wollten oder dies aus Mangel an Gleichgesinnten nicht konnten. Cunningham beschreibt die besondere Kraft zum Frühlingsbeginn als das Erwachen des Lebens nach der Kraftlosigkeit des Winters. Die Göttin schüttet nun ihr Füllhorn der Fruchtbarkeit über der Erde aus. Es ist auch, so Cunningham, die Zeit des Beginnens, der Aktivität: Zeit auch, den „rituellen Garten“ zu bestellen…

Blumen sind zu Ostara der Schmuck für den Altar und werden auch zum Auslegen des rituellen Kreises genutzt, z.B. auch Topfpflanzen, Blüten und Knospen. Für Cunningham gilt es zu Ostara, Verbindung zu Pflanzen aufzunehmen und über den Wechsel der Jahreszeiten zu meditieren. Er schlägt u.a. folgenden Spruch vor:

Ich wandle in Freundschaft auf der Erde, nicht als Herrscher. Mutter Göttin und Vater Gott, erfüllt mich durch diese Pflanze mit tiefer Wärme für alles Leben. Lehrt mich, die Erde und all ihre Schätze zu ehren. Auf dass ich dies niemals vergesse.

Scott Cunningham, Wicca…, S. 161

Als Bräuche zu Ostara benennt Cunningham, Blumen auf dem Feld zu pflücken, wobei der Dank an die Pflanzen nicht zu vergessen sei. Dies sei eine gute Zeit, sich mit dem magischen Garten und Kräuterarbeit zu befassen, seien es magische, medizinische oder kulinarische Kräuter! Als Festessen bieten sich laut Cunningham auch alle Körnergerichte an, Sprossen und grünes Blattgemüse. Aber auch ein Blütenkuchen empfehle sich, z.B. indem Blüten auf den Zuckerguss platziert werden.

Nachlesen

„Frühling“, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. III, Berlin/ Leipzig 1930/31, Sp. 153-160, hier Sp. 155f.; und „Frühlingsfeste“, Sp. 161-170, hier Sp. 161ff.

Ronald Hutton (2008), Modern Pagan Festivals: A Study in the Nature of Tradition, in: Folklore 119:3, S. 251-273; DOI: 10.1080/00155870802352178.

Judika Illes (2021), Ostara, in: Jessica Hundley und Pam Grossman (Hg.), Witchcraft, Köln, S. 170.

Scott Cunningham (2020; engl. Original 1988/2004), Wicca. Einführung in Spiritualität und Praxis der neuen Hexenkunst, München, hier S. 88 und 160ff. Es empfiehlt sich das Original Wicca: A Guide for the Solitary Practitioner, Woodbury.

Der kanadische Podcast Missing Witches befasst sich mit Hexen der Gegenwart und Vergangenheit und erzählt ihre Geschichten, eine Folge ist Scott Cunningham gewidmet.

Beitrag über Ostara im Fokus auf das Konzept der ‚weisen Frauen‘ nach Jacob Grimm.

2 Kommentare

  1. Dankeschön !
    Könnt ihr bitte mir das senden auf Facebook? Auf meiner Seite? Oder kann ich da ein Abo machen das ich immer von euch informiert werde?
    Danke Margit Schumacher

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    1. Hallo Margit, das freut uns, wenn die Beiträge gefallen und du keinen neuen verpassen willst. Ganz unten auf der Hauptseite des Blog gibt es den blauen „Abonnieren“-Button, dann wird automatisch eine Benachrichtigung per Mail versandt. Sollten wir doch noch Facebook einrichten, werden wir das mitteilen. Grüße vom Team!

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