JAHRESKREISFEST BELTANE: 30.04.-01.05.

2021-04-30T23:50:00

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Beltane

Feste und Rituale im Laufe des Jahres und im Rhythmus der saisonalen Veränderungen finden sich in den unterschiedlichsten Traditionen. Die zeitgenössischen Hexen und modernen Wicca orientieren sich meist an acht verschiedenen Festen, wobei dies durchaus unterschiedlich gehandhabt werden kann. Zu den acht Festen gehören die vier Feste, die als dem keltischen Kalender entnommen gelten: Imbolc am 02. Februar, Beltane am 30. April, Lughnasadh am 01. August und Samhain am 31. Oktober. Dazu kommen die beiden Tag- und Nachtgleichen Ostara am 21. März und Mabon am 21. September sowie die Sommer- und die Wintersonnenwende Litha am 21. Juni und Yule am 21. Dezember.

Beltane ist das Fest, das Samhain zu Beginn der winterlichen Zeit gegenübersteht und den Beginn der sommerlichen Zeit markiert. Auch dieser Nacht vom 30.04. zum 01.05. wird wie zu Samhain nachgesagt, dass die Schleier zur Anderswelt dünn sind. Es gehört mit Imbolc, Lughnasadh und Samhain zu den vier Festen, die sich an irisch-keltischen Traditionen orientieren.

LEIDENSCHAFTLICHES ZUM MAIANFANG

Der 01. Mai war der Tag, an dem das Vieh auf die Weiden getrieben wurde. Die Traditionen des Entzünden von Feuern und das Aufstellen eines Maibaums, um den tanzend bunte Bänder verwebt werden, ist in vielen Gegenden von Europa noch heute bekannt. Die Assoziationen mit dem wichtigen Thema der Fruchtbarkeit bedürfen mit Maibaum und Maikranz nicht allzu viel Fantasie. Die Vorstellung einer sogenannten heiligen Hochzeit, der Vereinigung von Gott und Göttin oder auch ihren jeweiligen Stellvertretenden beflügelte jedenfalls auch Wissenschaftler und Schriftsteller. Bei der Entwicklung der Jahreskreisfeste wurde davon ausgegangen, dass es Feste im Jahreskreis gab, die sich an den landwirtschaftlichen wie auch jahreszeitlichen Zyklen orientierten. Das vermutete auch vor-christliche Feuerfest zu Beginn des Mai als der sommerlichen Zeit wurde und wird mit Fruchtbarkeit und Sexualität assoziiert.

James Georges Frazers Werk „Der goldene Zweig“, im englischen Original 1922 erschienen, thematisiert vor-christliche Traditionen, Magie, Rituale und auch die vermuteten Feuerfeste in Europa. Der Ethnologe und Philologe bezieht sich auf verschiedene Quellen des 18. Jhds, z.B. aus Schottland, die das Beltanefest als wichtigstes druidisches Fest bezeichnen. Auch die Tradition, besondere Feuer zu entzünden, wurden beschrieben. Manche Quellen bezeichneten dies, so Frazer, als das ‚Verbrennen der Hexen‘. Interessanterweise interpretiert Frazer die fruchtbarkeitsfördernde Wirkung des Feuers eher damit, dass es von verhängnisvollem Zauber, z.B. durch Hexen, befreie…

Die Suche nach alten, vor-christlichen Traditionen lässt sich auch in vielen folgenden literarischen Werken finden, die auch Einfluss auf die Entwicklungen zeitgenössischer neo-paganer Religiositäten hatten und haben. So war Frazer auch einflussreich für den berühmten Roman von Marion Zimmer Bradley „Die Nebel von Avalon“ aus den 1980ern. In diesem erzählt sie die Artussage aus der Sicht der zentralen Frauen-Charaktere, die hier v.a. Priesterinnen einer vor-christlichen matriarchalen Religion sind. Die schicksalsträchtige Nacht von Beltane, in der es auch um eine ‚heilige Vereinigung‘ geht, ist eine der ausführlich geschilderten und sicherlich auch sehr fragwürdigen Schlüsselszenen des Romans.

WALPURGISNACHT

Beltane ist auch bekannt als Walpurgisnacht, diese Bezeichnung wird teilweise ebenfalls in englischsprachigen zeitgenössischen Kontexten genutzt.

Die Bezeichnung bezieht sich auf die heilig gesprochene Walburga, eine angelsächsische Äbtissin des Klosters in Heidenreich im 8. Jhd. Sie war wahrscheinlich die Nichte des Hl. Bonifatius, beide missionierten im deutschsprachigen Raum. Ihre Heiligsprechung erfolgte 870 am 01. Mai, so dass dieser im Mittelalter ihr Gedenktag war.

Für die Verknüpfung mit einem vor-christlichen Frühlingsfest bzw. dessen Fortleben über das Mittelalter hinaus lassen sich kaum Belege finden. Die Inquisitoren versuchten während der Zeit der Hexenverfolgungen in der Frühen Neuzeit, Orte und Zeiten der Treffen der Hexen, den Hexensabbat, in Geständnissen zu erzwingen. Meist wurden wöchentliche Treffen angegeben – der Donnerstag, die Nachtzeit und höher gelegene Orte waren dabei offenbar die meistgenannten Angaben. Die Aussagekraft der Geständnisse unter Gewalt muss allerdings hinterfragt werden. Die Walpurgisnacht wurde nicht explizit genannt, und der Brocken bzw. der sogenannte Blocksberg im Harz wahrscheinlich nur einmal.

Erst Johannes Prätorius verband in seinem Werk 1668 Blockes-Berges Verrichtung die Walpurgisnacht mit dem Blocksberg als hauptsächlichen Versammlungsort der Hexen. Und nach 1800 wurde die Walpurgisnacht dank der Szene in Goethes Faust berühmt, der sich bei der Vorstellung tanzender Hexen in der Walpurgisnacht auf dem Brocken von Prätorius inspirieren ließ.

Brocken-Hexe, Magnet

HEXEN AUF MISTGABELN UND ZECHENDE KATZEN

Vorstellungen und Traditionen rund um den Brocken/ Blocksberg finden sich im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Die Bezeichnung Blocksberg (die einen oder anderen erinnern sich vielleicht an die Hauptfigur der Kinderserie „Bibi Blocksberg“…) bezeichnet auch andere Berge mit sogenannten „Unholden“ (Übel wollende Wesen), z.B. im Schwarzwald.

Die wahrscheinlich älteste Erwähnung des Brockens als Aufenthaltsort von nächtlichen Geistern und Hexen ist im Münchner Nachtsegen des 14. Jhds. zu finden, so das Handwörterbuch. In einigen Quellen sei wohl auch der 12.05. als Zeitpunkt der sogenannten Brockenfahrt genannt. Es wird berichtet, dass dann bereits am Morgen dort Katzen bei Musik spielen und zechen würden!

Üblicher ist aber die Annahme des „neueren Volksglaubens“, wie es das Handwörterbuch Ende der 1920er ausdrückt, dass der wichtigste Zeitpunkt die Walpurgisnacht sei, zu der sich die Hexen auf dem Brocken treffen.

Die Hexen reiten auf Böcken, Wölfen, Ziegen, Säuen, Katzen, auf Ofen-, Mist- und Heugabeln, manchmal auch auf Menschen zum Blocksberg. Szenen, in denen Tiere als Begleitung von Hexen ab sogenannten Hexensabbat imaginiert werden, inspirierten spätestens seit der frühen Neuzeit immer wieder auch die Kunst (mehr zum Verhältnis von Hexen*, Kunst und Tieren können Sie diesem Beitrag lesen).

Für diese sogenannten Hexenfahrten, so das Handwörterbuch, schmierten sie sich oder die Gegenstände mit der berühmten Hexensalbe ein – dazu sagten sie: oben aus und nirgend an! An Walpurgis galt es deshalb, Besen und Ofengeräte zu verstecken, damit die Hexen sie nicht nutzen könnten. Kräuter wurden zur Hexenabwehr in Fenster und Türen gesteckt.

Oftmals wurden wohl junge Mädchen überredet mitzufahren, um dem Teufel neue Anhängerinnen zu verschaffen. Dazu mussten sie sich dann in ein Buch eintragen. Dieses Narrativ findet sich auch in zeitgenössischen popkulturellen Stoffen wieder: In der Serie „The Chilling Adventures of Sabrina“ entzündet sich an der, von der Halb-Hexe Sabrina an ihrem 16. Geburtstag zu erbringenden, Unterschrift im Buch des Teufels und ihrer damit besiegelten Unterwerfung unter seine Macht einer der zentralen Konflikte der Serie.

Eine typische Anklage aus der Zeit der Hexenprozesse lautete, dass man die Verdächtigen auf dem Blocksberg gesehen habe. Überhaupt könne man Hexen sehen, wenn man z.B. einen Kranz von Tausendguldenkraut aufsetzte oder einen Kreis aus Schlangenhaut um sich legte.

Es gibt zahlreiche detaillierte Berichte über den Ablauf des Festes in Anwesenheit des Teufels, mit Festessen, Musik und Tanz, wobei zahlreiche Handlungen verkehrt oder andersherum als üblich abliefen und damit ihren Charakter als eine Art ‚andere Ordnung‘ offenbarten. Die Versammlungen wurden eben auch als Hexensabbat bezeichnet (Was als ein Hexensabbat gilt und was es mit diesem Begriff auf sich hat, können Sie in einen früheren Beitrag nachlesen).

BELTANE FEIERN

Für alle, die die Jahreskreisfeste auch als den Zyklus von Gott und Göttin feiern, ist dies der Zeitpunkt der leidenschaftlichen Vereinigung der göttlichen Wesen.

Starhawk, die seit den 1970ern wichtige Aktivistin für die feministische Tradition der Wicca in den USA, nimmt ebenfalls Bezug auf die Tradition von Maibaum und Tanz mit Bändern. Früchte, Blüten und Gebäck schmücken Bäume und Büsche. Innerhalb des Kreises mit den Elementen soll im Süden das Feuer entzündet werden.

Starhawk lässt die Hohepriesterin sagen:

„Wir sind zur Zeit der Blüte zusammengekommen, um den Tanz des Lebens zu tanzen.“

Starhawk, Der Hexenkult als Ur-Religion der Großen Göttin, S. 262

Starhawk schlägt vor, dass alle sich ein Band in einer Wunschfarbe wählen, die für etwas Bestimmtes stehen soll. Anschließend wird mit Bändern getanzt, sie werden ineinander verwebt, mit den Intentionen, für die sie stehen. Wer möchte, kann einen Sprung durch das Feuer wagen. Das Ritual endet mit einem feierlichen Essen.

Nachlesen

Starhawk (1992), Der Hexenkult als Ur-Religion der Großen Göttin, Freiburg (engl. Orig. 1979), hier S. 261f.

„Brocken“ in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Berlin und Leipzig 1927, Bd. I, Sp. 1579-1581 und „Blocksberg“ Sp. 1423-1428.

„Walpurgis (Walpurigs) Night“ (2006) in: Richard M. Golden, Encyclopedia of Witchcraft, The Western Tradition, S. 1178f.

James George Frazer (1991), Der Goldene Zweig. Das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker, Reinbek bei Hamburg, engl. Original 1922, hier S. 897ff. und 943.

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