JAHRESKREISFEST OSTARA: 19.-21. MÄRZ

2022-03-20T00:00:00

  Tage

  Stunden  Minuten  Sekunden

bis

Ostara

Feste und Rituale im Laufe des Jahres und im Rhythmus der saisonalen Veränderungen finden sich in den unterschiedlichsten Traditionen. Die zeitgenössischen Hexen und modernen Wicca orientieren sich meist an acht verschiedenen Festen, wobei dies durchaus unterschiedlich gehandhabt werden kann. Zu den acht Festen gehören die vier Feste, die als dem keltischen Kalender entnommen gelten: Imbolc am 02. Februar, Beltane am 30. April, Lughnasadh am 01. August und Samhain am 31. Oktober. Dazu kommen die beiden Tag- und Nachtgleichen Ostara am 21. März und Mabon am 21. September sowie die Sommer- und die Wintersonnenwende Litha am 21. Juni und Yule am 21. Dezember.

Die Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche um den 19.-21. März markiert den Frühlingsanfang – danach werden die Tage wieder länger. Und obwohl es noch kalt sein mag oder sogar Schnee die Erde bedeckt, so blühen bereits Osterglöckchen, Krokusse und Schneeglöckchen. Die ersten Triebe wachsen, hier und da zeigt sich zartes Grün. In diesem Jahr 2021 fällt die Tag-und-Nachtgleiche auf den 20. März.

OSTARA, DIE GÖTTIN, DER GRIMM

Im 18. Jahrhundert begann ein gesteigertes Interesse an vor- und nicht-christlichen europäischen Traditionen, das sich auch in archäologischen Arbeiten und Studien zu ‚volkskundlichen‘ Praktiken finden lässt. Kritik an den Kirchen und dem Glauben an Hexen führte auch zu einer Umdeutung des Glaubens an Hexerei: Einige Gelehrte entwickelten die Theorie, dass die der Hexerei Angeklagten tatsächlich noch Angehörige alter paganer Glaubenssysteme gewesen seien. Die Faszination für eine größere Verbundenheit mit ‚natürlichen‘ Lebensweisen und damit verbundenen religiösen Formen spricht aus diesen Deutungen.

Jacob Grimm, der jüngere der beiden Brüder Grimm, die der Hexe als Märchenfigur in ihren weltweit berühmten Hausmärchen zu zweifelhaftem Ruhm verholfen hatten, schrieb 1835 das Werk Deutsche Mythologie. Damit etablierte er wesentlich, neben weiteren Autoren, die Umdeutung von Hexen in ‚weise Frauen‘.

Seine Überlegungen zur deutschsprachigen Bezeichnung des wichtigsten christlichen Festes als Ostern leitet er aus der Bezeichnung ôstarmânoth für den April ab. Er bingt außerdem Ostern bzw. ôstarâ in Pluralform mit der angelsächsischen Eástre in Verbindung und vermutet eine Bezeichnung für ein „höheres wesen des heidenthums“ das so etabliert gewesen sei, dass „die bekehrer“ es auf das christliche Fest der Wiederauferstehung anwandten. Er bezieht sich dabei auf eine singuläre Quelle aus dem 8. Jahrhundert, verfasst von dem angelsächsischen Mönch Beda Venerabilis, der eine Göttin Eostre in Bezug auf den Monat eosturmonath erwähnt.

Die Bezeichnung erscheint insofern als etwas Besonderes, als sich andere Namen für das christliche Fest am eigentlich zeitgleichen jüdischen Pessachfest orientierten. Das Konzil von Nicäa bestimmte allerdings im Jahr 325 die Berechnung des christliches Festes auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn, dem 21.03., also nach dem Pessachfest.

Jacob Grimm leitet auch aus der Bedeutung ôstar für ‚die Richtung gegen Morgen‘ ab, dass Ostara eine Gottheit des strahlenden Morgens und aufsteigenden Lichts gewesen sei – und für das christliche Fest als eine geeignete Bezeichnung erschienen sei. Weiß gekleidete Jungfrauen, die sich zu Ostern, zur Zeit des einkehrenden Frühlings in Felsklüften oder auf Bergen sehen lassen, so Grimm, „gemahnen an die alte göttin“. Grimm verknüpft hier also eine vermutete vor-christliche Göttin Ostara mit dem Frühlingsbeginn.

Diese Ableitungen und die damit verbundenen Deutungen wurden schon früh kritisiert, so im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (1934/35). Dieses widmet dem Begriff immerhin sechs Spalten. Es problematisiert den Begriff und seine Deutungen, verweist aber auch auf die Vermutung, dass der Name eines heidnischen Frühlingsfestes auf das christliche Fest übertragen worden sei. Einige vermutete Praktiken des Ostara-Kultus werden aufgezählt – so habe es in Hessen die Sitte gegeben, am 2. Ostertag Blumensträuße in eine Höhle zu tragen und dann kühles Wasser zu schöpfen.

Ostara als Bezeichnung des Festes der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche des Jahreskreisfestzyklus im Kontext von Wicca, Hexen und neo-paganen Traditionen setzte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch.

DAS ZEITGENÖSSISCHE FEST UND SEINE BEZEICHNUNG

Der britische Historiker Ronald Hutton beschreibt die Entwicklung der für zeitgenössische Hexen und neo-pagane Kontexte zentralen Jahreskreisfeste. Es lassen sich, so Hutton, zwei Zyklen ausmachen, die sich einmal am Sonnenverlauf orientieren (Frühlings- und Herbst-Tag-und-Nachtgleiche sowie Sommer- und Wintersonnenwende) und an den landwirtschaftlichen Zyklen des britisch-irischen Raumes (die Nächste zum Beginn des November, Februar, Mai und August). Beide lassen sich auf unterschiedliche Einflüsse v.a. britischer Gelehrter seit dem 18. Jahrhundert zurückführen und wurden dann im 20. Jahrhundert in der Form zusammen verbunden, die die Feste des Jahreskreises jetzt ausmachen.

Innerhalb der US-amerikanische Entwicklung von Wicca etablierte Aidan Kelly im Laufe der 1970er die durchaus umstrittenen Bezeichnungen Ostara (was auf Jacob Grimms Überlegungen beruhte), und Mabon (das sich auf walisische Quellen bezieht) für die Frühlings- und Herbst-Tag-und-Nachtgleiche. Allerdings lassen sich diese als nicht-christliche Feste für diese Zeitpunkte kaum nachweisen. Ronald Hutton zeigt damit die moderne Entstehung der Jahreskreisfeste in dieser sehr bekannten Form auf.

Das schmälert allerdings nicht die Bedeutung der Feste oder die Freude, sie jetzt zu feiern! Jedes Fest wurde einmal erfunden, gefeiert und dann weiterentwickelt…

DEN FRÜHLINGSBEGINN FEIERN

Starhawk, die seit den 1970ern wichtige Aktivistin für die feministische Tradition der Wicca in den USA, lässt den Altar zu Ostara mit Frühlingsblumen schmücken. Neben den Blumen werden die vier Richtungen auch symbolisch mit den Elemente ausgelegt – die Erde im Norden, Räucherwerk für die Luft im Osten, Feuer im Süden und Wasser in der Schale im Westen.

Starhawk schlägt ein Ritual vor, in dem symbolisch das, was jede*n einzelne*n bindet, mit schwarzer Wolle um die Handgelenke gebunden wird. Dann beantworten alle die Frage, welches Element dies zu lösen vermag, welche Eigenschaften am meisten vermisst werden, und meditiert anschließend dort. Danach werden die Fesseln gelöst und die Blumen verteilt.

Der junge Gott und die Göttin tanzen Freude und Überfluss herbei.

„Mögen sich unsere Herzen mit dem Frühling öffnen!“

Starhawk, Der Hexenkult als Ur-Religion der Großen Göttin, S. 260

Nachlesen:

Starhawk (1992), Der Hexenkult als Ur-Religion der Großen Göttin, Freiburg (engl. Orig. 1979).

Ronald Hutton (2008), Modern Pagan Festivals: A Study in the Nature of Tradition, in: Folklore 119:3, S. 251-273; DOI: 10.1080/00155870802352178.

Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, I. Band, Orig. 1835, Nachdruck vierte Ausgabe 1953, hier S. 241.

„Ostara“ in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. IV, Berlin/ Leipzig 1934/35, Sp. 1311-1316.

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s