JAHRESKREISFEST IMBOLC: 02.02.

2021-02-02T16:11:00

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IMBOLC

Feste und Rituale im Laufe des Jahres und im Rhythmus der saisonalen Veränderungen finden sich in den unterschiedlichsten Traditionen. Die zeitgenössischen Hexen und modernen Wicca orientieren sich meist an acht verschiedenen Festen, wobei dies durchaus unterschiedlich gehandhabt werden kann. Zu den acht Festen gehören die vier Feste, die als dem keltischen Kalender entnommen gelten: Imbolc am 02. Februar, Beltane am 30. April, Lughnasadh am 01. August und Samhain am 31. Oktober. Dazu kommen die beiden Tag- und Nachtgleichen Ostara am 21. März und Mabon am 21. September sowie die Sommer- und die Wintersonnenwende Litha am 21. Juni und Yule am 21. Dezember.

FESTE RUND UM DEN 01. UND 02. FEBRUAR

Imbolc, das Fest des zunehmenden Lichts, wird auch Brigid nach der keltischen Göttin genannt. Es ist ebenso das Fest der christlichen Heiligen Brigid und liegt zusammen mit dem christlichen Lichtmess (engl. Candlemas). Und Licht ist auch das Thema des bei den zeitgenössischen Hexen, modernen Wicca und auch neo-paganen Religionen und Gruppen gefeierten Festes: nachdem es zur Wintersonnenwende wiedergeboren wurde, zeigt sich das Licht nun wieder deutlicher.

Der Zeitpunkt liegt zwischen der Wintersonnenwende und der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche und die Tage werden nun merklich wieder länger. Der Frühling hat noch nicht wieder begonnen, aber es ist die Zeit, in der die ersten Lämmer geboren werden und damit die erste Milch fließt. Die altirische Bezeichnung Imbolc oder Imbolg hat die Bedeutung von umfassender Waschung und verweist damit auf den Charakter als Reinigungsfest. Eine mögliche, aber auch nicht ganz geklärte Ableitung bezieht sich auf das erste Milchgeben der Schafe. Das Fest gehört zu den vier zugeordneten sogenannten keltischen Festen des modernen Jahreskreises mit Beltane, Lugnasadh und Samhain, weshalb auch die keltische Göttin Brigid damit assoziiert wird. Aus dieser Herleitung ergeben sich die Bezeichnungen Imbolc oder Imbolg und Brigid.

BRIGID, MEHRFACH

Der 01. Februar ist auch der Tag der bekannten irischen Hl. Brigitta oder Brigida von Kildare, englisch Bride, benannt nach der keltischen Göttin Brigid. Diese gründete dort ein Doppelkloster und verstarb im 6. Jhd. Bei dem Kloster Kildare soll ein ewiges Feuer unterhalten worden sein, und auch die Göttin Brigid wird mit dem Feuer in Verbindung stehend gedacht. Die Verehrung bzw. Kenntnis der Hl. Brigida war aber weiter verbreitet, sogar das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens berichtet vom Fest der Hl. Brigitta: Frauen hätten eine Puppe aus Hafer angefertigt , eine Tradition, die auch die zeitgenössischen Hexen teilweise noch pflegen.

Mit der Hl. Brigid ist auch das Brigid-Kreuz assoziiert, dass allerdings auch mit der Göttin Brigid in Verbindung gebracht wird und ebenfalls im zeitgenössischen Kontext der Hexen eine Rolle spielt. Die Verbindung zwischen der christlichen Heiligen und der keltischen Göttinnenfigur sind so eng, dass es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, welche Einflüsse die jeweils älteren sind.

Brigid war laut einer Quelle des 10. Jhds. die Tochter der irischen Vater-Gottheit Daghdha. Sie wurde von ausgewählten Sehern und Poeten verehrt, weshalb sie auch als Schutzpatronin der Dichter galt, aber auch der Heilung und Handwerkskunst: Wie im keltischen Kontext nicht unüblich, erschien Brigid in dreifacher Form mit zwei Schwestern, die eine Heilerin, die andere Schmiedin. Sie wurden sowohl mit dem Feuer, Licht, wie auch mit Gewässern assoziiert.

LICHTMESS

Lichtmess am 02. Februar hieß lange Zeit auch das Fest der Reinigung Marias, wenngleich diese Bedeutung keine so große Rolle mehr spielt. Der Zeitpunkt markiert das Ende des Zeitraums ritueller Unreinheit von 40 Tagen nach der Geburt eines Sohnes. Anschließend wurde ein Opfer erbracht, die Frau galt gemäß den alttestamentlichen Praktiken als rituell rein und konnte wieder am Kult im Tempel teilnehmen. Dieses Fest wird auch Darstellung des Herrn genannt, denn nun konnte das Kleinkind Jesus im Tempel gezeigt werden und wurde Gott geweiht. Damit endete früher die Weihnachtszeit 40 Tage nach der Geburt Jesu: spätestens jetzt sollte der Weihnachtsschmuck abgebaut werden.

Zu Lichtmess weihte die Kirche Kerzen, lateinische Formeln dafür sind wohl schon seit dem 10. Jhd. bekannt. Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens verrät uns wie immer zahlreiche Regeln und Traditionen, die es rund um das Fest gab: Die Lichter wurden für den Bedarf der Kirche und der Haushalte geweiht, wo sie schützende Wirkung entfalteten, z.B. vor Behexung!

Es berichtet auch von dem bayerischen Brauch, einen roten Wachsstock weihen zu lassen, den die Frauen dazu nutzten, ihn um z.B. Hand und Fuß der Wöchnerin (der Frau, die gerade entbunden hat) zu wickeln, um sie und das Kind vor Zauberei zu schützen. Auch ein Trudenfuß, also das uns bekannte Symbol des Pentagram, wurde daraus zum Schutz gebildet. In mittelalterlicher und auch nachmittelalterlicher Zeit wurde es als Schutzsymbol genutzt – heute wird es ebenfalls von den zeitgenössischen Hexen als wichtiges Symbol verwendet. Meist auch in einem Kreis dargestellt repräsentiert es das Element Erde.

Mit Lichtmess (auch Mariä Lichtmess) endete der lange Übergangszeitraum zwischen November, den Rauhnächten und dem Jahreswechsel. Das bäuerliche Jahr begann, und auch die Neuanstellungen fanden statt. Zahlreiche Handlungen konnten nun für ein gutes Gelingen des neuen Erntejahres sorgen: In Hessen z.B. habe man zu Lichtmess (oder auch Aschermittwoch) Erbsensuppe mit gedörrten Schweinsrippen gegessen. Die abgegessenen Rippen seien dann später in das besäete Feld oder in den zur Aussaat bestimmten Leinsamen gesteckt worden, so das Handwörterbuch.

Lichtmess ist auch ein sogenannter ‚Lostag‘: wie bestimmte Dinge sich ereignen oder auch Wettererscheinungen ausfallen verriet etwas über das kommende Jahr, seine Ernte und menschliche Schicksale.

ZEITGENÖSSISCHES

Für diejenigen, die den Jahreszyklus mit den Zyklen von Tod und Wiedergeburt von Gott und Göttin feiern, wächst das Sonnenkind wie auch die Sonne langsam wieder stärker wird.

Starhawk, die bekannte und einflussreiche Hexe aus den USA, schlägt ein Ritual mit Kerzen für alle Anwesenden vor, sowie einen Spiraltanz. Brigid ist für sie die Göttin des inspirierenden Feuers. Alle zünden eine Kerze im Zentrum des Ritualkreises an. Die Kerzen stehen für Inspiration und Kreativität, die umgesetzt werden will…

Sie lässt die Hohepriesterin einen Wechselgesang intonieren:

„Feuer des Herzens,

Feuer des Geistes,

Feuer des häuslichen Herdes,

Feuer des Windes,

Feuer der Kunst,

Zeitloses Feuer!“

Starhawk, Der Hexenkult…, S. 258

Nachlesen:

Starhawk (1992), Der Hexenkult als Ur-Religion der Großen Göttin, Freiburg (engl. Orig. 1979), S. 258f.

„Lichtmeß“, in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, HG. Hanns Bächtold-Stäubli, Berlin und Leipzig 1932/33, Bd. V, Sp. 1261-1272 und „Brigitta, hl.“, in: ebd., Bd. I, 1927, Sp. 1577f.

Brighid in „Celtic Religion: An Overview“, in: Encyclopedia of Religion², Hg. Lindsay Jones, Bd. 3, 2005, S. 1484f.

Kritisch zu der Annahme einer Verbindung zwischen bzw. der Vereinnahmung der römischen Feierlichkeiten der Luperkalien durch das christliche Lichtmess s. Christoph Schäublin (1995), in Hermes : Zeitschr. für klassische Philologie 123, S. 117-125. Lichtmess lag bis ins 6. Jhd. auf dem 14.02., der Zeitraum der Luperkalien, bis es auf den 02.02. vorverlegt wurde.

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