JAHRESKREISFEST SAMHAIN AM 31.10.

2021-10-31T15:04:00

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Feste und Rituale im Laufe des Jahres und im Rhythmus der saisonalen Veränderungen finden sich in den unterschiedlichsten Traditionen. Die zeitgenössischen Hexen und modernen Wicca orientieren sich meist an acht verschiedenen Festen, wobei dies durchaus unterschiedlich gehandhabt werden kann. Zu den acht Festen gehören die vier Feste, die als dem keltischen Kalender entnommen gelten: Imbolc am 02. Februar, Beltane am 30. April, Lughnasadh am 01. August und Samhain am 31. Oktober. Dazu kommen die beiden Tag- und Nachtgleichen Ostara am 21. März und Mabon am 21. September sowie die Sommer- und die Wintersonnenwende Litha am 21. Juni und Yule am 21. Dezember.

Zu allen Jahreskreisfesten gibt es bereits Beiträge, die mit den Links im ersten Absatz aufgerufen werden können. Darin gehen wir auf verschiedene historische Vorstellungen der jahreszeitlich geprägten Feste und weitere Traditionen ein. Wir verbinden diese mit den zeitgenössischen Feiern und Hintergründen zu deren moderner Entwicklung als Zyklus der Jahreskreisfeste. Ergänzend stellen wir Vorschläge der bekannten US-amerikanischen Hexe und Ökoaktivistin Starhawk vor. Die Reihe ist gekennzeichnet durch Ritualbilder, die thematisch auf Praktiken und jahreszeitliche Symboliken verweisen.

Weitere Beiträge kommen hinzu, und so beginnt ein neuer Zyklus. Bereits vorhanden: Mabon am 21. September.

In den neuen Beiträgen bringen wir neue spannende Aspekte ein und stellen z.B. Ritualvorschläge von Scott Cunningham vor, der Wicca auch für allein Praktizierende zugänglich machen wollte. Diesmal begleiten Bilder die Beiträge, die noch einmal stärker auf die kulinarischen Köstlichkeiten der Jahreszeiten verweisen: Eine Referenz an die Sinnesfreuden, die den historischen Hexen nachgesagt werden und den zeitgenössischen gerade recht kommen. Und von Kräuterhexen haben wir alle schon mal gehört… Was kochen eigentlich die Hexen* in ihren Kesseln?

FEIERN FÜR DIE VERSTORBENEN

Am 31.10. ist doch Halloween – mit Kürbissen, Partys und Verkleidung? Während Halloween für die meisten ein nicht sehr religiöses Fest mit Spinnweben, Süßem-oder-Saurem und viel Gruselei ist…

Halloweenkürbis

… ist seit Mitte des 17. Jahrhunderts der 31.10. ein Gedenktag für die Protestant*innen, die der Reformation der Kirche durch den berühmten 95 Thesen-Anschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg gedenken.

Die katholischen Christ*innen wiederum feiern am 01. November Allerheiligen. Während dieses Fest den Heiligen der Kirche gewidmet ist, gedenkt Allerseelen am 02. November den Verstorbenen. Die evangelischen Kirchen setzen dafür den Totensonntag an, den letzten Sonntag vor dem ersten Adventssonntag.

Der Zeitpunkt zu Ende Oktober wird mit dem Ende der Erntezeit und dem Übergang in die dunkle Jahreszeit in Verbindung gebracht. Die Schleier zwischen den Welten der Lebenden und der Verstorbenen sind angeblich dünn. Deshalb ist es auch der Zeitpunkt, die Verstorbenen zu kontaktieren und zu ehren oder sich, wie es seit ein paar Jahren verstärkt auf populären Onlineseiten zu moderner Spiritualität und Blogs zu lesen ist, mit den Ahn*innen zu verbinden. Dieser Kontakt birgt natürlich auch Gefahren. Dem kann mit Opfergaben, Tricks wie Süßem-oder-Saurem, entgegengewirkt werden. Auch das kommerzielle Halloween ist in seinem Grusel- und gleichzeitigen Party-Faktor immer noch ambivalent. Für manche ist es auch die Hochsaison von Hexen*- und Horrorfilmen.

Skelette tanzen auch beim berühmten mexikanischen Totenfest, das ebenfalls von der Nacht des 31.10. bis zum 02. November dauert und christliche sowie vorspanische aztekische Traditionen zusammenbringt: Día de los Muertos!

Es wird getanzt und musiziert, eine Feier, die von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt wurde. In diesen Tagen ist es üblich, einen ofrenda, einen Altar mit Gaben für die Verstorbenen, aufzubauen. Dieser beinhaltet üblicherweise ein Foto der verstorbenen Person, Heiligenbilder, Kerzen, Blumen, Früchte sowie weitere Gegenstände.

Detail vom ofrenda im Museum für Sepulkralkultur, Kassel 2021

SAMHAIN FEIERN

Die zeitgenössischen Hexen* feiern Samhain in der Nacht zum 01. November, wie Beltane eine Nacht von der man sagt, die Schleier zwischen den Welten seien dünn…

Scott Cunningham, der v.a. in den 1980ern und 90ern einflussreiche Bücher zu Wicca und Magie publizierte und offen homosexuell lebte, war der Meinung, dass sich Wicca mehr öffnen sollte und auch für diejenigen, die nicht in einer Gruppe praktizieren wollten oder dies aus Mangel an Gleichgesinnten nicht konnten, zugänglich sein sollte. Wichtig war ihm auch, dass Praktizierende ihre eigenen Formen entwickeln können.

Deshalb veröffentlichte er Ende der 1980er eine Anleitung für allein Praktizierende. Für ihn sind die Jahreskreisfeste auch mit den Zyklen von Gott und Göttin verbunden: Dem Werden und Vergehen des Gottes, der zu Samhain stirbt und in die Dunkelheit geht, um schließlich durch die Göttin wiedergeboren zu werden. Cunningham sieht hier eine Symbolik über die wandelnde Fruchtbarkeit der Erde, die Mysterien von Geburt, Tod und Wiedergeburt.

Für das Samhain-Ritual schlägt er vor, den Altar mit Äpfeln, Granatäpfeln, Kürbissen und weiteren Früchten oder Blumen zu schmücken. Auf einem Papier kann das notiert werden, was man aus seinem Leben verbannen will. In einem feuerfesten Behälter kann dieses später verbrannt werden. Auch Weissagungen lassen sich nun gut durchführen. In Bezug auf die Toten rät er dazu, diese zu ehren, aber nicht zu rufen. Er benennt als Tradition, den Toten einen Teller mit Essen vor die Tür und eine Kerze ins Fenster zu stellen, damit sie in das Land des ewigen Sommers finden können und eine kleine Wegzehrung haben.

Als eine Anrufung schlägt Scott Cunningham vor:

Weise Frau des abnehmenden Mondes,

Göttin der sternenreichen Nacht,

ich entzünde dieses Feuer hier in deinem Kessel,

um zu verwandeln, was mich quält.

Kehre seine Energien um:

Aus Dunkelheit mach Licht!

Aus Schlechtem mach Gutes!

Aus Tod mach Geburt!

Scott Cunningham, 2020, Wicca, S. 170

WEITERES ZU SAMHAIN, HALLOWEEN, DEM TOTENFEST & HEXEN*

Immer einen Besuch wert ist das Museum für Sepulkralkultur in Kassel, das sich mit dem Tod, Sterben, Bestattungskulturen, Trauer und Gedenken befasst. Hier gibt es auch einen großen ofrenda, sowie in 2021 ein digitales Programm zum Día de los Muertos!

Über Kürbisse, Hexen* & Hüte, allerlei Brauchtum und die Bedeutung von Äpfeln haben wir schon berichtet: Der bestehende Beitrag zum Jahreskreisfest kann hier aufgerufen werden Samhain.

Ritualkreis Halloween

Nachlesen:

Scott Cunningham (2020; engl. Original 1988/2004), Wicca. Einführung in Spiritualität und Praxis der neuen Hexenkunst, München, hier S. 90 und 168ff. Es empfiehlt sich das Original Wicca: A Guide for the Solitary Practitioner, Woodbury.

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