OPFER DER HEXENVERFOLGUNG: URTEILE AUS + UM MARBURG

„die Wirwettze/Wirwatze“

aus Marburg (1517 verbrannt)

Eva

(1582 verbrannt)

Schwester der Eva

(1582 verbrannt)

Mutter der Eva

(1582 enthauptet und verbrannt)

Johannes Köhler

aus Niederurff (gesteht in der Tortur, 1582 vermutl. hingerichtet)

Dorothea Hoffmann

aus Weidenhausen (1615 entlassen oder hingerichtet)

Hans Sang / Heinrich Sanger

aus Biedenkopf (1631 enthauptet und verbrannt)

Else Dietz

aus Bottendorf (1648 enthauptet und verbrannt)

Christine Morgen

aus Caldern (1652 enthauptet und verbrannt)

Elisabeth George

aus Kirchhain (starb 1654 bei der Tortur)

Anna Zimmermann

aus Kirchhain (hingerichtet 1654)

Christina Kilian

aus Kirchhain (event. enthauptet, verbrannt 1654)

Gertrud Happel

aus Kirchhain (event. stranguliert, verbrannt 1654)

Anna Klein

aus Marburg (1655 hingerichtet)

Elisabeth Seip

aus Cappel (1655 event. stranguliert, verbrannt)

Catharina Staudinger

aus Marburg (1656 verbrannt)

Anna Dörn/Dörr

aus Weidenhausen (1656 enthauptet und verbrannt)

Catharina Möller

aus Wehrda (1659 verbrannt)

Elisabeth Ott

aus Betziesdorf (1673 hingerichtet)

Catharina Lips

aus Betziesdorf (1672 Absolutia ab instantia, 1674 hingerichtet)

Anna Schnabel

aus Betziesdorf (1674 enthauptet und beerdigt)

Susanna Lauer

aus Wehrda (1681 verstirbt vermutl. in Haft)

Elisabeth Leuning

aus Rosenthal (1688 enthauptet und verbrannt)

Margarethe Weicker

aus Weidenhausen (stirbt in Haft 1695)

ABSOLUTIA AB INSTANTIA*

Frau des Trackel/Truckel Stieber

aus Marburg (1655 Absolutia ab instantia + Kaution + Urphede)

Maria Petri

aus Marburg

(1660 Absolutia ab instantia +

Kaution + Reinigungseid + Zehrungskosten)

Gertraud Zwick

aus Betziesdorf (1673 Absolutia ab instantia + Kaution + Unkosten)

Maria Vogel

aus Betziesdorf (1673 Absolutia ab instantia + Kaution + Unkosten)

Margarethe Diesse / Deiß

aus Schönstadt (1579 Tortur ausgestanden und vermutl. entlassen)

LANDESVERWEIS

Curt am Berge und seine Frau Elsa

aus Caldern (1552 Landesverweis)

Peter Hans Hermanns Ehefrau

gen. Platzelsa aus Anzefahr (1596 Landesverweis)

Elisabeth Kempfer

aus Marburg (1596 Landesverweis)

Elisabeth Leuther

aus Marburg (1596 des Landesverweis oder verbrannt)

Elisabeth Sack

aus Kirchhain (ca. 1638 Landesverweis)

Golda Ruben

aus Treis (1669 Pranger und Landesverweis)

Anna Catharina Wolff

aus Betziesdorf (1685 Landesverweis + Gerichtskosten +Urphede)

Maria Weigand

aus Bracht (1685 Landesverweis + Gerichtskosten + Urphede)

Jeremias Schneider

aus Marburg (1688 Geldstrafe)

_______ _______

Viele Opfer sind noch unbekannt, viele Akten fragmentarisch

NEUE STUDIE ZU DEN OPFERN DER HEXENPROZESSE

Die neue Studie über die Opfer der Hexenverfolgung von Ronald Füssel zeigt auf, dass in den Jahren 1517 bis 1695 nach Urteilen im Raum um Marburg mindestens 24 Personen getötet wurden. In 29 Fällen konnte er den Protokollen den Ausgang des Verfahrens entnehmen. Bei über 20 Fällen blieb das Urteil offen, die Untersuchung wurde wohl eingestellt. Wurden die Angeklagten für schuldig befunden, wurden sie verbrannt. Manche wurden zuvor enthauptet. Darunter waren zwei Männer und 22 Frauen. Die meisten davon wurden am Amt Marburg verurteilt, einige in umliegenden Ämtern in Oberhessen.

WEITMEHR OPFER ALS VERURTEILTE

Es gab jedoch noch mehr Opfer: Nach Füssel verstarben Susanna Lauer aus Wehrda und Margarethe Weicker aus Weidenhausen in der Haft und Elisabeth George aus Kirchhain 1654 bei der Tortur (Folter). Mindestens sechs weitere Personen wurden des Landes verwiesen. Wir wissen wenig über diese Personen. Die Angaben können wir meist nur aus den Protokollen ihrer Gerichtsverfahren am peinlichen Halsgericht entnehmen. Was wir dort dokumentiert vorfinden, sind die Zeug*innenaussagen, die Aussagen der Beteiligten vor Gericht und die Umstände und Daten ihrer Folter, Ausweisung oder ihre Tode.

UNSCHULDIG?

Die nicht für schuldig befundenen, vermutlich sechs Personen, wurden mit dem Urteilsspruch absolutia ab instantia entlassen. Wenn Anderen ihre Schuld nicht nachzuweisen war, es aber zahlreiche Anschuldigungen gab, wurden sie des Landes verwiesen: Diese weiteren mindestens sechs Personen waren nicht selbst der Hexerei angeklagt. Sie hatten eine Wahrsagerin aufgesucht, eine hatte die sog. Melancholie. Andere hätten versucht, Kinder zu vergiften. Wieder Andere mussten nach der Anschuldigung Geldstrafen zahlen, wie Jeremias Schneider und neun weitere Personen aus Marburg (1688).

Gegen die jungen Mädchen Gertrud Briel aus der Ketzerbach und Anna Martha Pflüger aus Schönstadt, wurde wegen Schadzauber ermittelt. In der Schule hätte Gertrud damit geprahlt, wenn sie Messer and die Wand warf, würde Milch herausfließen. Mehrere 6 bis 10-jährige Kinder wurden vernommen. Sie wurden nicht verurteilt, jedoch vom Pfarrer ‚belehrt‘. Nach dem Historiker Christian Roos waren die Ankläger*innen häufig auch Kinder, da der Hexenglauben bei ihnen weit verbreitet war. Wurden Kinder selbst der Hexerei angeklagt, seien sie meist unter die Obhut der Pfarrer gestellt worden. So wurde auch die zehnjährige Anna Martha – nachdem sie angeklagt wurde und während der Befragung 17 Personen beschuldigte bevor sie gestand – in die Obhut des Pfarrers Ruppersberg gegeben.

DIE KOSTEN UND AUSWIRKUNGEN DER TORTUR

Viele Angeklagte mussten vor der Entlassung aus der Haft nicht nur die entstandenen Kosten für ihre Tortur zahlen, sondern auch versprechen, sich nicht zu rächen (gen. Urphede). Roos berichtet, nachdem die angeklagte hochschwangere Anna Catharina Wolff ihr Kind im Gefängnis (wahrscheinlich im sog. Hexenturm / weißen Turm am Marburger Landgrafenschloss) zur Welt brachte, erhielt sie ihr Urteil erst nach drei Jahren: absolutia ab instantia. Auch wenn sie entlassen wurde, musste sie die Kosten für die Verhandlung und den Aufenthalt tragen.

Füssel macht jedoch darauf aufmerksam, dass auch der Urteilsspruch absolutia ab instantia vielmehr die weitere genaue Beobachtung als einen tatsächlichen Freispruch bedeutete. Auch das Umfeld, die Nachbar*innen sogar die Familie behandelten seine einmal beschuldigte Person nie wie zuvor. Eine Flucht war nach Füssel dann schwierig, da häufig eine hohe Kaution von der Familie hinterlegt werden musste, damit die einmal Angeklagten unter Beobachtung blieben. Der Fall von Catharina Lips zeigt dies auf: Nachdem sie der Tortur und der peinlichen Befragung in ihrem ersten Verfahren im Jahr 1671/72 standhalten konnte, wurde sie im darauffolgenden Jahr erneut angeklagt, gefoltert und 1674 hingerichtet.

Nachlesen:

Ronald Füssel (2020), Gefoltert. Gestanden. Zu Marburg verbrannt. Die Marburger Hexenprozesse. Marburg, insb. S. 101-109, 191.

Christian Roos (2008), Hexenverfolgung und Hexenprozesse im alten Hessen. Marburg, insb. S. 53-58, 62, 71-91, 95.

Eva Bender (2020), Zauberei ist des Teufels selbs eigen Werk – Hexenglaube und Hexenverfolgung in Hessen. Text zur Ausstellung im Hessischen Staatsarchiv Marburg [18. Feburar bis 14. August 2020]. insb. S. 16-17.

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