FRAGMENT Nr. 5: „… die Reisekosten des Fiscals 11 Reichstaler, 12 Alb.“

[…] die Reisekosten des Fiscals 11 Reichstaler, 12 Alb.

die Gerichtsschöffen 4 Reichstaler, 6 Alb.

2 Deputierte aus den Schöffen, daß sie dem Zeugenverhör und der Folter der Beklagten beigewohnt 3 Reichstaler

der Fiscal für seine Arbeit 5 Reichstaler

der Protokollführer für Reisekosten, für Mitschrift der Zeugenverhöre und für Aktenkopien 3 Reichstaler

der Richter für Urteilsgeld 31 Reichstaler.

Zitat aus der „Bitte des Hans Georg Fröhlich wegen seiner infolge des Prozeß der Hexerei beklagter Mutter um Erlaß der in Rückstand bleibenden Gerichtskosten“

(Cassel, 22.12.1664)

DIE SCHULDEN VON HANS GEORG FRÖHLICH

Hans Georg Fröhlichs Mutter hatte sich 1664 einer Anklage wegen Hexerei gestellt. Selbst der peinlichen Befragung (Folter) und der zweijährigen Gefangenschaft – angekettet im Turm in Felsberg und wohl zeitweise auch im Turm in Marburg – konnte sie standhalten. Sie bezichtigte keine weiteren Personen, gestand auch unter Folter nicht und wurde schließlich von der „hohen Schule in Marburg“ für nicht schuldig befunden.

Aus der Haft sollte sie jedoch erst entlassen werden, wenn die oben aufgelisteten, entstandenen Gerichtskosten durch ihren Sohn gegenüber den Richtern und Schöffen in Felsberg beglichen wurden und eine Kaution hinterlegt wurde. Wie hoch die Kosten tatsächlich waren ist unklar, der Historiker Hermann Schüling schreibt von 62 Reichstalern und 18 Albus, im Felsberger Antwortschreiben ist von 50 Reichstalern die Rede, wieviel hatte Fröhlich selbst aufgeführt?

FRÖHLICH KONNTE ODER WOLLTE NICHT ZAHLEN

Hans Georg Fröhlich ist nicht in der Lage, die durch den Prozess seiner Mutter entstandenen hohen Kosten zu zahlen: „Wenn ich nun solches alles, so noch aussteht, bezahlen sollte, gestalt ich dann von meiner Mutter nichts als das bloße Leben, so müßte ich mit meinem armen Weib und Kindern an den Bettelstab in die Welt gehen und Elend bauen. Bitte demnach Euer Fürstliche Durchlaucht durch Gottes Barmherzigkeit in Betrachtung, daß meine Mutter ledig und los erkannt worden, dieselben wollen Gnade einwenden, dieses alles gut zu beherzigen, meine kindliche Armut in Gnaden beachten und an die Beamten zu Felsberg Befehl ergehen lassen, daß ich mit dem noch in restierenden Gerichtskosten verschont werden möge“ schreibt Fröhling Ende Dezember 1664.

DIE ANTWORT AUS FELSBERG

Ende Januar des darauffolgenden Jahres erhält Fröhlich die Antwort. Der Fürstin wurde vorgelegt, dass Fröhlichs Mutter als „gläubige Frau“ auch unter der scharfen peinlichen Frage (Folter) nichts von ihren Anschuldigungen gestanden hatte und von der Juristenfakultät Marburg bereits am 23. April freigesprochen wurde. Fröhlich hätte vor den Richtern und Schöffen „Handgelöbnis“ getan, die Gerichtskosten innerhalb von sechs Wochen zu begleichen. „Daß dem Fiscal und den Schöffen allbereits aus dem hiesigen fürstlichen Rentamt bezahlt und gut getan, sollte erlassen werden. Dadurch wird dasselbige belastet. Bittsteller aber dann gleichwohl allerdings so geringen Vermögens, als er in seinem Bittgesuch angegeben, ist von solcher Last befreit.“

Nachlesen:

Hermann Schüling (2013), Hexenprozesse Mitte des 17. Jahrhunderts. Gießen, S. 120: „Bitte des Hans Georg Fröhlich wegen seiner infolge des Prozeß der Hexerei beklagter Mutter um Erlaß der in Rückstand bleibenden Gerichtskosten (Cassel, 22.12.1664)“; „Erlaß aus Felsberg, 31. Januar 1665“, S. 122-123 (vgl. Handschriftliche Quelle, StA Marburg Bestand 17 I 5278).

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